Zukunft bedeutet nicht immer Fortschritt

geschrieben am von , Hund & Gesellschaft

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Vor über acht Jahren habe ich einen Artikel geschrieben, der sich mit dem Thema Auslandstierschutz befasste: Nothilfe – nicht immer auch Hilfe aus der Not. Es war ein kritischer Artikel, in dem es in erster Linie um die Problematik der vermeintlich geretteten südländischen Hunde ging. Würde ich diesen Artikel heute noch einmal schreiben, dann, so würde man denken, wäre doch bestimmt vieles besser geworden, die Menschen wären kritischer, aufgeklärter und in ihrem Handeln viel weiter und überlegter, als noch vor acht Jahren. 

Dem ist aber nicht so. Jedenfalls dann nicht, wenn ich mich so in Deutschland unter dem Aspekt Auslandstierschutz umgucke. Im Gegenteil. Zu den jagenden und häufig vorsichtigen, unsicheren oder ängstlichen südländischen Hunden, haben sich nun noch u.a. die großen „Kuschelbären“, wie sie die frischgebackene Besitzerin eines geretteten Kraski Ovcar-Rüden neulich bezeichnete, gesellt. Ganz nebenbei erwähnt wusste die freundliche junge Dame, die in einem Mehrfamilienhaus in Hamburg lebt natürlich nicht, was genau sie da für einen Hund hatte. Die Rasse habe man ihr genannt, mehr aber nicht erzählt. Auf diesem und anderen Wegen gelangen Herdenschutzhunde aus nahezu aus aller Herren Länder, gepaart mit abenteuerlichen Geschichten, zu uns. Mit einer ausgeprägten Jagdleidenschaft können diese Hunde zwar eher selten dienen, dafür aber mit andern Eigenschaften, die hier in Deutschland nur selten Freude machen. Formulieren wir es einmal so: Sie haben ein „offenes Haus“, empfangen gerne Freunde, ihre Kinder bekommen täglich Besuch von anderen Kindern, Ihre Nachbarin kommt gerne mal unangekündigt auf einen Kaffee herein und Sie haben seit kurzer Zeit einen wuscheligen Slovensky Cuvac aus dem Auslandstierschutz auf dem Sofa sitzen – dann hat man Sie meiner Meinung nach entweder ganz schlecht beraten, oder Sie haben die verschlüsselten Eigenschaften dieser Hunde nicht richtig interpretiert, oder, oder, oder…

Wie dem auch sei, mit den Südländern war und ist es ja bis heute auch nicht anders: Pointer, Podencos, Galgos und Setter brauchen immer nur „liebende Menschen und ein Sofa“, wobei ironischer Weise meist im gleichen Text erwähnt wird, dass man diese Hunde vermutlich nie ohne Leine und nur in eingezäunten Gebieten laufen lassen können wird. Was soll das denn für ein Hundeleben sein?

 

Woran liegt es, dass sich nur wenig geändert hat, in Bezug auf Hunde aus dem Ausland? Ich würde sogar behaupten, dass die „Tierschutzkatastrophen“ zugenommen haben, obwohl die Informationsmöglichkeiten heute viel besser sind, als noch vor acht Jahren. Ist es der Zeitgeist? Oder ist es die Tatsache, dass viele Menschen sich immer mehr von der Natur entfernen, dass sie nur noch rein emotional handeln, in einer Welt, in der Emotionen sonst keinen Platz mehr haben? Emotionen sind gut und wichtig, aber es drängt sich mir der Gedanke auf, dass so mancher Hund dankbar wäre, würde der Mensch häufiger seinen Verstand einschalten.

 

One Response

  1. Thomas Merten 24. Juli 2012 um 13:24

    Ein sehr guter Beitrag, dem ich voll zustimme. Ein Blick in unsere Tierheime sollte genügen, um auf den Gedanken zu kommen, dass es hier vor der Haustür viel Leid zu lindern gibt. Was übrigens nicht nur für den Tierschutz gilt …

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